Blackglasses
 

Ein Gedicht, gedichtet zu dem Ereignis einer Geburtstagsfeierlichkeit, ausgerichtet als totales Geheimnis. Die Feier. Das Gedicht natürlich auch. Klar. Ganz klar. War ja schließlich Teil der Feier. Vorgetragen im Terzett. Drei. Drei Leute. Ja, genau. Zwei haben geredet, der Unsichtbare Dritte hatte die Technik für Bild und Ton. Die Diaschau! Ohne ihn wäre es nicht gegangen.

Mir freundlicher Genehmigung des Geburtstagskindes.

Ein Gedicht von Kirsten Funke.

- Monster -

- Ein Episches Gedicht -

Das Erscheinen

Es war ein mal, vor sechzig Jahren,
ja, vor langer, langer Zeit,
das man hörte von einer mysteriösen Begebenheit,
im fernen Dahlbruch, gar so weit.

Eines fremden Wesens man wurde gewahr,
dicke Backen, wenig Haar' und großes Kulleraugenpaar.
Es sah sich seine Umwelt an:
"Was man hier wohl machen kann?!"

Man fragte sich was das wohl ist,
so goldig und so moppelig.
Es könnt' die Spezies Ingrid-Monster sein,
fachsimpelt man: Tagaus, tagein.

"Es sieht so brav aus.", sagt der Spezialist.
"Wenn das mal keine Täuschung ist?"
Man war beruhigt, doch bald war klar
das diese Spezies einzigartig war.

Man wollt' gern' mehr über das fremde Wesen erfahren
und beobachtete es in den folgenden Jahren.
Wie es wohl ist, was es so macht?
Ihr wollt es hör'n? Dann gebt nun Acht!

Seine Neugierde

Man forschte lange, fand dann heraus:
Unwissenheit hält es nicht aus.
Das Ingridmonster ist stets beflissen
alles und noch viel mehr zu wissen.

Es fragt gern' nach, gibt keine Ruh',
es hört einem jeden aufmerksam zu.
Ihr wollt ein Gehemnis vor ihm kaschieren?
Tja, das Ergebnis kann euch nur frustrieren.

Bücher, oh Weh

Und was schon sehr früh auffiel:
Lesen tat's, und zwar sehr viel.
Kaum das man's aus den Augen ließ
war es schon in ein Buch vertieft!

So bald es sich fühlt unbewacht
Buch um Buch wird klargemacht.
Es füllt sich ziemlich schnell das Haus,
und bald kann man schon nicht mehr schauh'n hinaus.

Und auch des Nachts, man glaubt es kaum,
wenn andere liegen schon längst im Flaum,
ist es aktiv: frönt den Romanen,
mit Mord und Totschlag und Gendarmen.

Der Filmgeschmack

Das betrifft auch seinen Filmgeschmack,
alsbald wird jemand umgebracht.
Es darf nicht all zu lange dauern,
es soll die Frau doch endlich trauern.

Ihr Mann wird wundersam zum Tod befördert,
das Monster sieht das gern' erörtert.
Es unterstützt nur dann die Einschaltquote
wenn es im Film gibt genug Tote!

Früh am Morgen

Aber dafür des Morgens, ich werd's euch verraten,
sollte man noch nicht zu viel erwarten,
vor fünf Tassen Kaffee da geht noch nicht viel,
man hört höchstens ein Grummeln, wenn etwas missfiel.

Im Garten

Ja, ein Ingridmonster läßt sich nicht stressen,
und dabei hat es so viele Int'ressen,
neben der Leidenschaft für jeglichen Schriftkram,
ist es auch sonstens recht betriebssam.

So ist es normal, wenn man es dabei sieht
wie es sich um grüne Gewächse bemüht,
es wuselt im Garten, pflanzt, jähtet und macht,
man staunt nicht schlecht, wenn sich zeigt die bunt blühende Pracht.

Alte Möbel

Es findet Gefallen an alten Möbelstücken,
kann kaum verhelen sein Entzücken,
fällt drüber her mit Beize und Schleifer,
berabeitet das Holz mit Feuereifer.

So macht es alte Schränke wieder fit,
nimmt auch am liebsten jeden gleich mit,
Und wäre der Platz nicht limitiert,
hätte es sämliche Schränke bereits aboptiert.

Sportliche Aktivität

Man sollte sich ebenso nichts dabei denken,
wenn man es sieht sich skuril zu verrenken,
Kopf unten, Fuss oben und Handstand sogar,
denn es macht eine Sportart, die nennt sich: Yoga.

Die Tierliebe

Und da wär noch was, ja, das ist sicher,
das Monster ist Fan kleiner, haariger Viecher,
kaum hört es ein Schnurren, Miauen oder so,
schon läüft es zur Mietze, und man hört nur noch: "Ohhh!"

Doch Katzen sind nur eine Art von Tieren,
die es vermag das Monster zu faszinieren.
Da wären noch welche umhüllt von kuschel-flauschigen Fell:
Ja, auch die Alpakas findet's wohl sensationell.

Seine Reiselust & die Kunst

Auch erkundet das Ingridmonster die Welt,
ob Irland, Italien oder Bielefeld,
ja, es geht sehr gerne auf Reisen,
und genießt dabei freudig ortstypische Speisen.

Ist es im Urlaub so muß man nur warten,
alsbald sieht man es ins Museum durchstarten.
Hier kann es mitunter Stunden verbringen
mit Gemälden, Skulpturen und sonstigen Dingen.

Schnell vergessen sind Raum, Leute und Zeit
Es studiert die Exponate in aller Ausgiebigkeit.
Wenn and're längst aufgeben mangels Ausdauer
nimmt "Es" sich Zeit, schaut nochmal genauer!

Doch seine wahre Liebe liegt droben im Norden,
dort, wo der Sand ist zur Insel geworden.
Denn der Ort, wo's das Monster schon mehrfach hinzog
das ist die Insel Spiekeroog.

Geschenke-Lust

Und nochwas gibt's da zu bedenken:
's ist stehts Vorsicht geboten bei Monsters Geschenken.
Denn eh man sich's versieht, schon ist es zu spät,
man hält in der Hand eine Kurosität.

Ein Puzzle zum Schlafen, eine Mütze für Eier,
da lebt es sich gleich viel sorgenfreier.
Ein Schlüsselmonster oder 'ne Merkel im Tee,
und ist das ein Wärmer für den großen Zeh?

Es schafft es, die lustigsten Dinge zu ordern,
und die Phantasie des Beschenkten stark zu fordern!
Und ich muss sagen da ist's echt auf Zack,
Es findet das Beste für jeden Geschmack.

Die Berufung

Und was es beruflich macht
tja, wer hätte das gedacht,
statt BWL und Karriereleiter
wird es dann: Sozialarbeiter!

Menschen helfen, das liegt ihm im Blut,
es kann gut zuhören, macht anderen Mut,
es arbeitet stehts engagiert und mit Ansporn
aber manchmal braucht's dennoch einfach 'nen Korn.

Resümee

Rückblickend läßt sich resümieren
nach all dem Forschen und Experimentieren:

Das Monster lebt glücklich und auch heiter,
hat viele Freunde und so weiter
und auch, ihr glaub's mir nie,
'ne kleine Monster-family.

Heut' feiern wir und trinken Rum
auf 60 Jahre Monstertum,
und können froh und stolz benennen
das wir diese selt'ne Spezies kennen.

Dieser Vers, er muss der Letze sein,
denn mehr fiel uns beim besten Willen nicht mehr ein.
Und ob euch diese Reime nun gefielen oder nicht:
Jetzt ist Schicht.

(kf),(ub)